Signaturen «Z.»

Die Burgfrau von Oestrot på Volkstheater Berlin anmeldt av signaturen «Z.» i National-Zeitung i Berlin 15. november 1888 (No. 601, 41. Jahrgang).

Kunst- und literarische Nachrichten.

Z.  Gutzkows «Königslieutenant», der vor einigen Tagen im Berliner Theater...

Nachdem wir zwei Akte des «Königslieutenants» gesehen hatten, blieb uns noch Zeit ein Blick in das Volkstheater zu thun, wo man das Schauspiel «Die Herrin von Oestrot» von Ibsen gab. Den meisten Zuschauern wird es unbekannt geblieben sein, daß dieses Drama vor neun oder zehn Jahren mit Frau Fiedler-Wurzbach als Frau Ingeborg schon ein Mal im Nationaltheater zur Aufführung gelangt ist. Die Wirkung war damals die eines Schattenspiels und so ist das Stück mit seinen verworrenen Episoden und seiner epischen Breite auch geblieben. Es trägt alle Spuren der Anfängerschaft und hat auf keiner deutschen Bühne Etwas zu suchen, am Wenigsten auf einem Theater, das dem schlichten Unterhaltungsbedürfniß der Massen Rechnung tragen will. Wir begreifen nicht, weshalb die Direktion des Volkstheaters durch solche Experimente ihre Stellung gefährdet, anstatt im klassischen Drama und im bürgerlichen Familienlustspiel von Iffland bis Benedix und Moser ihre Stärke zu suchen. Es sprach für den gesunden Sinn der Zuschauer, wenn sie heute trotz ihrer Gutmüthigkeit gegen das konfuse Drama kräftig protestirten. Wunderlich erscheint es Angesichts der Unmasse Dinte, die gegenwärtig über Ibsen ausgegossen wird, daß die Ibsenianer regelmäßig fortbleiben, wenn man sie braucht. In den Logen sahen wir fast nur Zuschauer, die durch ihren Beruf genöthigt waren, der Vorstellung beizuwohnen. Wer den Ibsenkultus nicht als Sport treibt, wird zugeben müssen, daß ein langweiligerer Abend als bei der Aufführung der «Herrin von Oestrot» in Berlin noch nicht da war.

Published Apr. 9, 2018 2:10 PM - Last modified May 3, 2018 11:29 AM