Eugen Zabel

Stadt-Theater Berlins oppsetning av Die Stützen der Gesellschaft anmeldt av Eugen Zabel i National-Zeitung (Berlin) 5. februar 1878.

Stadttheater

Das Schauspiel «Die Stützen der Gesellschaft« von Henrik Ibsen hat in der Theatergeschichte Berlins beispiellosen Erfolg erlebt, zu gleicher Zeit auf dem Repertoire von vier verschiedenen Bühnen zu erscheinen. Dem Vorgange des Belle-Alliance-Theaters, auf dessen Brettern sich die Novität zuerst dem Publikum vorstellte, sind im Laufe weniger Tage die Bühnen des Stadt- und Nationaltheaters gefolgt, während die Aufführung im Osteendtheater unmittelbar bevorsteht. Erinnern wir uns angesichts dieser dem nordischen Dichter erwiesenen Huldigung an die Bereitwilligkeit deutscher Direktoren, die Novitäten Frankreichs ungelesen zu kaufen und stellen wir solchen Thatsachen das Loos der einheimischen Schöpfungen gegenüber, so erhalten wir eine grelle Illustration zu dem Verfall unseres Theaters. So armselig erscheint unser dramatischer Haushalt, daß die eigenen Gaben mit Stirnrunzeln, die fremden mit freudiger Erwartung entgegengenommen werden! Das Ungesunde dieses Zustandes tritt erst dann in das rechte Licht, wenn man bedenkt, wie wenig dieser Wetteifer der viermaligen Aufführung dem Stücke selbst zu Gute kommt. Wenn man die Leistungen der Bühne nicht nur zählen, sondern auch wägen will, müssen alle diese Darstellungen zu leicht befunden werden. Lediglich ein Verein hervorragender Künstler, wie ihn das Hoftheater besitzt, vermag die Vorzüge dieses Schauspiels zur Geltung zu bringen und seine Fehler zu verdecken. Ibsens Drama besitzt nicht nur einen bedeutenden dichterischen, sondern auch einen echten dramatischen Kern, der allerdings aus einer Schale epischer Erfindungen herausgebrochen werden muß. Für das Stadttheater, welches die Novität Sonnabend, den 2. Februar, zum ersten Male aufführte, hat Emil J. Jonas eine empfehlenswerthe Uebersetzung und Einrichtung geliefert. Die Ueberfülle gleichgiltiger Personen ist beseitigt, die Längen der rhetorischen Ergüsse sind entsprechend gekürzt worden. In dieser Form entspricht das Stück unserem Bühnenbedürfniß, so weit dies bei dem architektonischen Grundfehler des Ganzen möglich ist. Nach wie vor leidet das Schauspiel an der Verworrenheit der Exposition, die den Zuschauer erst sehr allmälig in die Bedingungen der Handlung einweiht und ihm die Vorgeschichte des Dramas in einzelnen, sich bis zum dritten Akte hinziehenden Gesprächen enthüllt. Die tüchtige Charakterschilderung und die gesunde Weltanschauung des Dichters verhalfen jedoch der Novität auch im Stadttheater zu einem lebhaften Erfolg. Herr Emil Hahn, der Direktor des Victoriatheaters, spielte als Gast die Rolle des Konsuls Bernick. Der Künstler hatte sich für den dritten und vierten Akt eine Kraft der Leidenschaft aufgespart, die das Auditorium sichtlich ergriff, während er an die erste Hälfte seiner Aufgabe etwas zu überlegen und gleichgültig herantrat. Bernick ist der Mann der Pläne und lebt, beeinflusst von einem Heer sich kreuzender Gedanken, beständig in der Aufregung des Geschäftslebens. Aeußerlich mag er die Formen ruhiger Vornehmheit besitzen, im Innern lodert stets das Feuer eines maßlosen Ehrgeizes und einer nur mit Gewalt bezwungenen Leidenschaft. Der Künstler hat dies richtig empfunden, aber falsch dargestellt, indem er sich an einem Schreibtische, der in dem Gesellschaftszimmer des Konsuls sehr übel angebracht war, Dieses und Jenes zu schaffen machte. Mit solchen Aeußerlichkeiten ist es jedoch nicht gethan, da von dem Vertreter dieser Rolle mehr oder minder während des ganzen Abends ein nervöses Fluidum in den Zuschauerraum hinüberströmen muß. Lebensvoll und in kräftiger Holzschnittmanier hatte Herr Mejo die Figur des Schiffbaumeisters Auners herausgearbeitet, während Herr Darmer (Hilmar Tönnesen) zu sehr in der Liebhaberschablone befangen blieb, ohne das Krankhafte und Mürrische des von ihm dargestellten Charakters zu betonen. Unter den Damen machte sich an diesem Abend nur Fräulein Flössel (Dina Dorp) durch einige zu Herzen dringende Gemüthstöne angenehm bemerkbar.
E. Z.
Published Apr. 3, 2018 11:33 AM - Last modified May 3, 2018 11:29 AM